Markus Maria Winkler

Schauspieler, Sänger

 LiteraTierisches 

Satirisch - szenische Lesung

mit Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler.


Ist uns die Eintagsfliege überlegen? Ist das Verhalten des Storches eigentlich akzeptabel? Weshalb zieht ein Löwe die Kerkerhaft im Käfig einem Stadtbummel in Berlin vor? Fragen über Fragen ergeben sich bei der LiteraTierischen-Lesung mit den Schauspielern Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler. Ähnlich wie die Fabulisten des 18. Jahrhunderts nutzten auch literarische Größen wie Busch, die Gebrüder Grimm, Goethe, Tucholsky und Ringelnatz die Beschreibung des Tierischen, um das allzu Menschliche zu spiegeln. Prädikat: feinsinnig und humorvoll!
Satierisch gute Unterhaltung bei „LiteraTierisches“

Künstler:

Die Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler arbeiten seit über zehn Jahren zusammen. In dieser Zeit brachten sie viele gemeinsame Produktionen auf die Bühne. Der gebürtige Wilhelmshavener Markus Maria Winkler war u. a. viele Jahre beim Tourneetheater Das Ensemble Jacob-Schwiers, Intendanz: Ellen Schwiers, Katerina Jacob, sowie beim Südbayerischen Theaterfestival unter der Leitung von Cordula Trantow im Engagement. Seine große Leidenschaft neben dem Schauspiel ist die Musik. Er ist in vielen eigenen musikalischen Programmen zu sehen, u. a. Broadway-Melodien oder Lieder-Karussell. Der Kärntner Jürgen Wegscheider spielte an Theatern in Frankfurt/Main, München und Essen und war regelmäßig auf Tournee. Mit seinen vorwiegend literarisch-kabarettistischn Programmen ist er in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs.

Foto und Bildgestaltung:  © Wolfgang Gebhard Visuelle Kommunikation

Ein Abend mit Texten von Tucholsky, Ringelnatz, Busch & Co.

Ein Löwe spaziert durch Berlin, ein Frosch übt sich als Dirigent, ein Bär wandert über den Semmering. Diesen und anderen Tieren haben sich die Münchener Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler gewidmet und sich dabei an Texten von Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz, Manfred Kyber, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Hanns von Gumpenberg, Peter Hammerschlag bis zu den Gebrüdern Grimm bedient.


Sind Tiere die besseren Menschen? Mit humorvollen Geschichten und Gedichten gehen die Schauspieler der Frage nach, warum Menschen über die Tiere lachen - oder umgekehrt? Zwei Künstler, die das Spektrum des Humors bedienen: das Schmunzeln, das schadenfrohe Grinsen, das verschämte In-den-Spiegel-Schauen und das befreiende Gelächter. Humor, knochentrocken, rabenschwarz und augenzwinkernd hintergründig. Eine Verbindung, die literarisches Vergnügen mit Niveau garantiert. Extra Farbe bringen sie durch Ihre Dialekte in die ohnehin schon amüsanten Texte: Der eine spricht ostfriesisches Platt, der andere schönstes Wienerisch - nicht immer, aber wenn’s gerade passt.


Wegscheider und Winkler stöbern herum und präsentieren Ausgewähltes aus dem „Tierischen Schaffen“ ausgewählter Literaten. Diese Geschichten leben von der Jahrtausende alten Praxis, die verschiedenen physiognomischen Merkmale des Menschen sowie seinen Charakter und sein Verhalten mithilfe von Vergleichen aus dem Tierreich zu beschreiben. So entstand eine regelrechte Tiertypologie, die bis in die Alltagssprache vordrang: bienenfleißig, nachäffen, dreckiges Schwein. Wie diese Beispiele zeigen, schließen sich Erkenntnis gewinnende und satirische Absichten nicht aus. „LiteraTierisches“ wird humorvoll und auch besinnlich an das Publikum weitergegeben: Gedichte, Fabeln, Erzählungen und Lieder über die Welt der Tiere sorgen nicht nur für Schmunzeln und Szenenapplaus, sondern stimmen eben auch nachdenklich. „Bitte piano!“ und „ganz amoroso“ fordert der Dirigent des Philharmonischen Froschchores in der etwas skurrilen Fabel „Die fünfte, so genannte feuchte Sinfonie“ von Manfred Kyber. Dann wieder Altbekanntes wie die „Bremer Stadtmusikanten“ oder „Der Ball der Tiere“.

Schön auch, wie realitätsnah die Tierstimmen nachgeahmt werden. Mit viel Mimik und pointiertem Ausdruck würzen die beiden Kabarettisten ihre Darbietung und wollen dabei ihre Bühnenherkunft nicht verleugnen. Ihre professionelle Ausbildung kommt den Künstlern besonders bei den bekannteren Texten (wie denen von Wilhelm Busch) zu Gute, denen sie neue Akzente geben. Das sind zwei Stunden tierisch guter Unterhaltung!

Uraufführung: 2006 in München
 

Gastspielorte:     u. a. Wilhelmshaven, Hamburg, Bremen, Köln, Linz, Berlin, München, Frankfurt / Main, Dresden


Sollte unsere Lesung bei Ihnen Interesse wecken, können Sie uns gerne für Auftritte, Galaveranstaltungen und dergleichen buchen. Das Programm ist auf Wunsch auch mit musikalischer Begleitung buchbar.

 

Kritiken:

Tiere sind auch Leute - beinahe

Aubing-Neuaubinger Zeitung, 8. Oktober 2015

Aubing - Wegscheider und Winkler halten dem Publikum den Spiegel vor.

Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider klären als Herr und Frau Spatz grundlegende Fragen einer Ehe: Wem gehören die Eier? Wer darf drauf sitzen? Wird es ein Bub oder ein Mädchen? Und wer trägt die Verantwortung?

Bereits im Frühjahr haben sie ihr Publikum im Aubinger Herzl mit szenisch gelesenen Buschiaden erfreut. Diesmal gastieren die Schauspieler und Vortragskünstler in Aubing mit humorvollen und satirischen Tiergedichten und - geschichten von Wolfgang Amadeus Mozart, über Goethe bis hin zu Joachim Ringelnatz.

Zu allen Zeiten kleideten Dichter Kritik an menschlichen Unzulänglichkeiten, an Staat und Gesellschaft in Tiergestalt, zur Freude der Menschen, die erst nachträglich merken, dass sie über sich selber gelacht haben. Wohlbekannt, aber immer gut, ist die burleske Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten aus der Sammlung der Brüder Grimm, vorgetragen mit Körpereinsatz und individuellen Stimmen für jede Figur. Vertraut dürften den Zuschauern auch die meisterhaften satirischen Tierparabeln von Wilhelm Busch, für den "Affen auch Leute" waren, gewesen sein. Eine Entdeckung waren die Szenen einer Spatzenehe von Manfred Kyber, einem baltischen Dichter und engagierten Tierschützer. Und ein freudiges Wiedererkennen von ehelichen Befindlichkeiten dazu, wie man an den vergnügten und kundigen Reaktionen des Publikums bemerken konnte. Auch Kurt Tucholsky trägt seine Kritik an der Gesellschaft in der Geschichte vom Löwen Franz Wüstenkönig kaum verhüllt vor, nur leicht abgepuffert durch groteske Übertreibung. Der Löwe, der durch die Nachlässigkeit des Tierpflegers aus seinem Käfig entkommt kann nun wie ein Tourist durch Berlin spazieren, benimmt sich völlig normal. Seine Beobachtungen und Überlegungen sind sachlich, vernünftig und angemessen, doch die Menschen drehen völlig durch, die Schilderungen ihres panischen Verhaltens eskalieren ins Surreale. Berlin ist außer Rand und Band, nur die Börse reagiert gefasst, wie immer. Ganz wie im wirklichen Leben also. Der Löwe zieht es daraufhin vor, in seinen Käfig im Zoo zurückzukehren. Er braucht Ruhe. Bei der Szene "Tierfreunde", von einem Wiener Kabarettisten, dessen Spur sich in Ausschwitz verliert, möchte einem das Lachen im Hals stecken bleiben. Ein vermeintlicher Tierfreund redet auf einen Hund ein, der vor einem Fleischerladen angebunden ist, durch einen Maulkorb an einer angemessenen Reaktion gehindert. Diese Ansprache ist Wiener Schmäh von der ganz schwarzen Art, eine gemütliche Tierquälerei an einem wehrlosen Hund, der sich fragt, warum eigentlich Menschen ohne Maulkorb gehen dürfen. Ja, warum eigentlich? Vielleicht ist das beim nächsten Mal zu erfahren? em

Tierisches Vergnügen im Theater

Norddeutsche Rundschau Di., 6.10. 2015, Itzehoe

Das Tier in der Literatur, was für ein Thema für ein Literaturseminar. Aber nein, Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider begutachten in ihrem Programm "LiteraTierisches" im Studio des Theaters die Fauna nicht akademisch, sondern mit Humor, inspiriert von Wilhelm Buschs Vogel, der, unmittelbar bevor ihn die Katze frisst, noch sein schönstes Tirili singt: "Der Vogel, scheint mir, hat Humor."

Damit ist der Grundakkord für diese Lesung der Schauspieler gespielt. In Texten von Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern spielt das Humorvolle, das die menschlichen Schwächen im Verhalten und den Überlegungen der Tiere spiegelt, die entscheidende Rolle. Dabei kommt Bekanntes zu Gehör wie die Altonaer Ameisen, die auf dem Weg nach Australien schon an der Elbchaussee schlappmachen (Ringelnatz), weniger Bekanntes wie Mozarts eckiges Gedicht über den Star oder Vielschichtiges wie Buschs "Hänschen Däumeling" - ein winziges Kleindrama, das ein wenig an Schillers "Ring des Polykrates" erinnert.

Auch das Groteske kommt nicht zu kurz. Das Musikfeuilleton wird auf die Schippe genommen, wenn Frösche Manfred Kybers fünfte Sinfonie, die sogenannte Feuchte, aus vollen Kehlblasen anstimmen. Allerdings schnattert eine gefräßige Entenfamilie dazwischen. Da wird das ewige Hüsteln in den Pianissimo-Passagen eines Klassikkonzerts im Fortissimo durch den Kakao gezogen. Die beiden Schauspieler ahmen die Stimmen durchaus realitätsnah nach, sehr zum Amüsement des Publikums. Tierisch gut. pak

Tierisch gute Unterhaltung Von Manuela Rieger (Augsburger Allgemeine), 2015SchmiechenSind Tiere die besseren Menschen? Mit humorvollen Geschichten und Gedichten spürten Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler im Seminarzentrum Plankmühle der Frage nach, warum Menschen über die Tiere lachen - oder umgekehrt? Zwei Künstler, die das Spektrum des Humors bedienten: das Schmunzeln, das schadenfrohe Grinsen, das verschämte In-den-Spiegel-Schauen und das befreiende Gelächter. Humor, knochentrocken, rabenschwarz und augenzwinkernd hintergründig. Eine Verbindung, die literarisches Vergnügen mit Niveau garantierte. 

Die Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler stöberten und präsentierten Ausgewähltes aus dem „Tierischen Schaffen“ ausgewählter Literaten. Diese Geschichten leben von der Jahrtausende alten Praxis, die verschiedenen physiognomischen Merkmale des Menschen sowie seinen Charakter und sein Verhalten mithilfe von Vergleichen aus dem Tierreich zu beschreiben. So entstand eine regelrechte Tiertypologie, die bis in die Alltagssprache vordrang: bienenfleißig, nachäffen, dreckiges Schwein. Wie diese Beispiele zeigen, schließen sich Erkenntnis gewinnende und satirische Absichten nicht aus. „LiteraTierisches“ von Ringelnatz bis Busch, von Goethe und Kyber bis Morgenstern wurden humorvoll, aber auch besinnlich an das Publikum weitergegeben. Gedichte, Fabeln, Erzählungen und Lieder durch die Welt der Tiere sorgten nicht nur für Schmunzeln und Szenenapplaus, sondern stimmten nachdenklich. 

Mit viel Mimik und pointiertem Ausdruck würzten die beiden Vortragskünstler ihre Darbietung und konnten dabei ihre Bühnenherkunft nicht verleugnen. Ihre professionelle Ausbildung kommt den Künstlern besonders bei den bekannteren Texten, wie denen von Wilhelm Busch, vorteilhaft zur Geltung. Nicht nur Nachdenkliches, sondern auch Heiteres zum Schmunzeln wurde rezitiert: „Bitte piano!“ und „ganz amoroso“ fordert der Dirigent des Philharmonischen Froschchores in der etwas skurrilen Fabel „Die fünfte, sogenannte feuchte Sinfonie“ von Manfred Kyber. Dann wieder Altbekanntes wie die „Bremer Stadtmusikanten“ oder „Der Ball der Tiere“.

Unterhaltsam war dabei, wie realitätsnah die Tierstimmen nachgeahmt wurden. Winkler bereitete sich in der Pause wohl schon auf die Geschichte von Tucholskys Affenkäfig vor, wo sich nicht die Affen im Käfig zum Affen machen, sondern das Publikum davor. Nach zwei Stunden „tierisch“ guter Unterhaltung waren die Stimmbänder der Künstler beansprucht, doch herzlicher Applaus ermöglichte eine Zugabe.  Sati(e)rische Lesung im Alten Torkel der Stadtbücherei, 2014„Wenn einer meint, dass er ein Vogel wär', so irrt sich der“, zitiert Jürgen Wegscheider frei nach Wilhelm Busch. Rechts Markus Maria Winkler. 

Überlingen (mbs) In der ersten Lesung nach der Sommerpause traten die beiden Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler in der Stadtbücherei in Dialog. Mit tierischen Geschichten unter anderem von Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und den Gebrüdern Grimm trieben sie den Sprachwitz der Autoren durch pointiertes Reden und eine geradezu spitzbübische Vortragsweise auf den Punkt. Pointen prasselten ins Publikum und fütterten die Gäste mit harter Kost: „Wenn ein Hündchen kotzt, sollst du mit ihm leiden, Maulkorb ihm durchschneiden“, frei nach Joachim Ringelnatz. Spätestens jetzt prustet die Dame in der zweiten Reihe los.

Mit seinem Standardprogramm „Der Löw‘ ist los“ von Kurt Tucholsky schießt der österreichische Schauspieler Wegscheider das nächste Tor beim Publikum.Seit vier Jahren tingeln die beiden Künstler mit ihrem satirischen Programm „LiteraTierisches“ durch den deutschsprachigen Raum. Eine Abendunterhaltung auch zum Nachdenken, so wie bei der Geschichte von Manfred Kybers „Eintagsfliege“. Die Eintagsfliege, die ihr Leben morgens, mittags und abends genießt, sich wandelt, ihr Futteral ablegt, aufsteigt in die „durchsumpfte Unendlichkeit“. Sie will den Augenblick genießen, von Licht, Luft und Sonne leben, denn „was ist schon ein Tag?“Bei Morgenstern hat „Der Hecht“ tierisch Durchfall und Wilhelm Busch weiß: „Drei Wochen war der Frosch so krank, jetzt raucht er wieder, gottseidank“. Mit Goethe und Mozart gelangen die beiden Schauspieler in der Überlinger Stadtbücherei über allerhand komisch-groteske Verse und Dichtungen weiter zu den altbekannten Bremer Stadtmusikanten, denen Markus Maria Winkler sich als „Nordlicht“ verbunden fühlt.

 Nach all den vielen tierischen Tiefgründigkeiten gesteht Besucher Bernie Bröggelhoff aus Taisersdorf im Anschluss an den vergnüglichen Abend, dass es ihm vor allem der Ringelnatz angetan hatte. Und warum? „Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit“, zitiert er das Gehörte.  Freies Wort, 21. 10. 2008Der Mensch im TierArnstadt: LiteraTierisches zu den Literaturtagenvon Berit Richter Arnstadt - Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Busch, die Gebrüder Grimm - sie alle haben etwas gemeinsam. Sie beschrieben nämlich in einigen ihrer Werke Tiere. Eben jene tierische Literatur nahmen Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider als Ausgangspunkt für ihre Lesung "LiteraTierisches", die im Rahmen der Arnstädter Literaturtage in der "Goldenen Henne" stattfand. Sowohl der gebürtige Wilhelmshavener Winkler wie auch der Kärntner Wegscheider absolvierten ihre Schauspielausbildung an der bekannten Zerboni-Schule in München und spielten anschließend in verschiedenen Ensembles. Dass beide ihr Handwerk verstehen wurde auch in Arnstadt rasch deutlich.

Es war weitaus mehr als eine Lesung zumeist bekannter Texte.Mit feinsinnigem Witz und viel Charme zelebrierten die jungen Künstler ihre Darbietung geradezu. Ob die "Bremer Stadtmusikanten" oder die quackenden Frösche in Manfred Kybers "Fünfter, sogenannter feuchte Sinfonie", immer wieder wurden die Tierstimmen perfekt nachgeahmt. Dabei spielten sich die beiden die verbalen Bälle nur so zu, ergänzten einander und traten in einen regelrechten Dialog, fast so als würden sie die Texte nicht vortragen sondern erst spontan kreieren. Unterstützt wurden Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider durch den Musiker Istvan Galus. Auch der Ungar verlieh mit seinen Instrumenten den Tieren Klang und Stimme.

Heiteres, schräges und mitunter hintersinniges zeichnete die Auswahl der Texte aus. Auch wenn vieles zum Lachen anregte, platte "Brüllkomik" der aktuellen Comedy-Szene war Texten wie Vortragenden fremd. Vielmehr legten die Künstler Wert auf Mimik und pointierten Ausdruck. Und so manches vorgetragene Wort regte zum Nachdenken an. Denn steckt nicht etwas menschliches in allen Tieren? So sind es die Menschen, die sich in Tucholskys "Affenkäfig" zum Affen machen, nicht die Tiere. Auch Kybers "Eintagsfliege", die das Leben zu genießen versteht, ganz im Gegensatz zur volkswirtschaftlich orientierten Ameise und dem ständig den entscheidenden Punkt suchenden Käfer, selbst wenn es nur aus Morgen, Mittag und Abend besteht, haftet viel menschliches an. 

 

Wehe, wenn sie losgelassen „LiteraTierisches“ in der Flussmeisterei

(Augsburger Allgemeine) Neu-Ulm

Weil es im Zoo zu langweilig wurde, spaziert der Wüstenkönig seelenruhig durch die Hauptstadt, die ob des Raubtiers in Panik und Anarchie versinkt: „Der Verkehr blieb stehen und sah zu, wie er geregelt wurde.“ Das muss die Menschenwelt erleben, als es in Berlin heißt „Der Löw ist los!“ Eine Pressemeldung? Mitnichten. Eine herrliche Satire von Kurt Tucholsky, vorzüglich vorgetragen von den Schauspielern Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler in der Neu-Ulmer „Flussmeisterei“. Die mitunter haar- und fellsträubend geringen Unterschiede zwischen Mensch und Tier kredenzte die Lesung „LiteraTierisches“ mit feinsinnigem Humor und charmanten Zwischentönen. 

Die sinnvolle Mixtur aus Märchen, Satire und literarischer Tierstudie unterhielt köstlich. Komisches über Frösche, Hunde und Eintagsfliegen. „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim/ er flattert sehr und kann nicht heim“, mit diesem Klassiker von Wilhelm Busch begann der Abend, dem ein kleines, doch aufmerksames Publikum folgte. Manfred Kyber, leider fast vergessener Humorist, war mit seiner vorzüglichen Kurzmär von der „fünften, sogenannten feuchten Symphonie“ vertreten, worin Frösche großorchestral aufspielen; Kybers Kurzgeschichte von der Eintagsfliege über die Zufälle eines „ganzen Lebens zwischen Früh und Abend“ entspinnt ein urkomisches Zwiegespräch unter Tieren, das sehr „menschelt“. „Unterhalten kann man sich erst, wenn man weiß, wer wen frisst“ – diese Weisheit eint Mensch und Tier. Joachim Ringelnatz, Großmeister des charmanten Nonsensgedichts, bat: „Wenn ein Hund kotzt, soll man ihn nicht stören“. Und konstatierte: „Das Tier ist ehrlich – und darum gut.“ Wegscheider und Winkler ließen die gefiederten, pelzigen und wasseratmenden Zeitgenossen mal als Dialog, mal im Monolog zu Wort kommen, zeigten, wie sich die Geschichten und Gedichte von Schriftstellern wie Ringelnatz, Tucholsky oder auch Goethe vor allem in einem gleichen: Die Autoren machten sich im Grunde nie über das Tier, sondern über den Menschen lustig. Kein Wunder, dass Busch dichtete: „Der Vogel, scheint mir, hat Humor“ und dass Kurt Tucholskys Löwe mit dem Gedanken „Nie wieder!“ freiwillig in seinen Käfig zurückkehrt. Das wahre Theater findet immer vor den Gitterstäben statt, denn, so Tucholsky mit den Stimmen von Wegscheider und Winkler, jeder Mensch sieht ein bisschen wie ein frisch gelauster Affe aus. Ein rundum gelungener Literaturabend in der „Flussmeisterei“. (flx) 

DAS PROGRAMM IST AUCH MIT MUSIKALISCHER BEGLEITUNG BUCHBAR !

  Markus Maria Winkler, Schauspieler | info@markusmariawinkler.de / 089-26 01 90 01