Markus Maria Winkler - Schauspieler & Sänger

Tierisch witzig nach literarischer Vorlage - Trio macht Leseabend im Café zum Erfolg

Planegg - "Die fette Person hat sich verdoppelt", quäkt der Frosch, als eine Fliege sich häutet. Im Berliner Zoo hat man ganz andere Sorgen: Der Löw’ ist los - samt seinem Apostroph! Nicht nur Löwen, die die Fliege machen, schenkten Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler am Freitag ihre Aufmerksamkeit. Auch drei Karnickelchen, Herzige Dickelchen und ein Zickelchen gehörten zu ihrer Lesung, die die beiden Schauspieler in Planegg gaben.

Die vom Kulturförderverein Würmtal organisierte Lesestunde "LiteraTierisches" lockte rund 40 Zuhörer ins Lesecafé. Das Duo las Texte unter anderem von Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und Wilhelm Busch - in allen Erzählungen spielten Tiere die Hauptrolle. Der Musiker Bence Barla-Szabo begleitete die Künstler auf der Gitarre - es kam also auch Musik zu Wort. Erst durch das Zusammenspiel des Trios erhielten die Geschichten Pfiff. Wegscheider und Winkler liehen den Tieren ihre Stimme, und Barlo-Szabo die Gitarrensaiten. Während Winkler Manfred Kybers "Flotte der Gefräßigkeit" - elf junge Entchen - bei der 5. sogenannten feuchten Sinfonie sprachlich imitierte, unterlegte Barlo-Szabo die Bewegungen des Geflügels musikalisch - bei einem Mal Geschnatter ließ Barlo-Szabo fast synchron ein Mal die Saite vibrieren.

Beim Lesen traten die Künstler, die ihre Schauspielausbildung beide an der Münchner Schauspielschule Zerboni absolvierten, scheinbar zufällig in Dialog. Sie trieben den Sprachwitz der Autoren durch ihr pointiertes Reden auf die Spitze und sprachen miteinander, als entstünden die Texte gerade erst in ihrem Kopf. Das verstärkte die Unmittelbarkeit der Geschichten und machte sie lebendig. Bei Goethes "Ruf des Storchs" bekam Winkler gerade in dem Moment einen Hustenanfall, als Wegscheider berichtete, dass ein Storch ansetzte, "auf das Kirchdach zu schei...".

Die neckischen Geckelchen und niedlichen Schneckelchen im Text "Im Stübchen beim Liebchen" von Hanns Gumppenberg trieben den Gästen Freudentränen ins Gesicht. Ebenso wie Reichslöwen-Abwehrabteilung und der Hecht in Christian Morgensterns Geschichte "Der Hecht": Das Tier beschließt, so die Schauspieler, sich am vegetarischen Gedanken moralisch emporzuranken. Er aß seit jenem nur noch dies: Seegras, Seerose und Seegrieß. Doch Grieß, Gras, Rose floss, o Graus, entsetzlich wieder hinten aus. Durch die spitzbübische Vorstragsweise und die gezielten Redepausen, um Pointen wie Bomben platzen zu lassen, erhielt dieser Text Charme. Das Publikum beutelte es vor lachen - "vom Köpfchen zum Zehchen".

von veronika jordan
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